Kämpfen lohnt sich: Erfolg an Uniklinik Frankfurt/Main

Dieses Jahr hat eine interessante Auseinandersetzung die gewerkschaftliche Arbeit an der Uniklinik Frankfurt geprägt. Anfang des Jahres hatten die Landesbeschäftigten als Tarifkomponente das sogenannte Hessenticket erhalten, das ihnen erlaubt, kostenlos in ganz Hessen mit Bus und Bahn zu fahren. Auch die Beschäftigten der Universität und die Ärztinnen und Ärzte konnten diese Regelung im Verlauf des Jahres durchsetzen, was zuerst einmal zu begrüßen ist. Allerdings bedeutete dies, dass von 4500 Beschäftigten an der Uniklinik nur etwa 1500 von der Regelung profitierten. Die große Mehrheit und vor allem die unteren Lohngruppen, die unter den Haustarif der UKF fallen, sowie die Tochterfirmen der Uniklinik, gingen leer aus.

von Richard Ulrich, aktiv in der ver.di-Betriebsgruppe am UKF

Das führte zu großem Unmut in der Belegschaft. Ver.di-Aktive und Personalrat konnten mit einer Vielzahl an Aktionen genügend Druck aufbauen, so dass der Arbeitgeber Ende August einlenken musste und den direkt Beschäftigten das Hessenticket ab 1.12. zusagte. Leider bleiben bisher die Tochterfirmen außen vor, das betrifft z.B. die Putzkräfte, Handwerker oder auch die gesamte orthopädische Klinik Friedrichsheim.

Trotzdem ist dies ein großer Erfolg, an den Anfang des Jahres noch keiner so recht glauben konnte. Ein Faktor für den Erfolg war eine aktive ver.di-Betriebsgruppe, die es schaffte, gemeinsam mit dem Personalrat eine Vielzahl an Aktionen ins Leben zu rufen und diese auch mit einer Strategie zu verbinden.

So war es erstens wichtig, den Druck langsam und kontinuierlich zu steigern, sozusagen einen Eskalationsplan anzulegen. Denn nichts wäre schlechter, als zu Beginn sein Pulver zu verschießen.

Damit wurde auch zweitens immer versucht, die Kolleginnen und Kollegen dort abzuholen, wo sie stehen. Um es zu verdeutlichen, es war nötig, mit kleinen Aktionen zu beginnen, welche die Belegschaft für das Thema sensibilisieren und ermutigen, selbst aktiv zu werden. Eine Protestkundgebung zu Beginn des Jahres wäre sicher an zu wenig Teilnehmern gescheitert. Stattdessen wurde mit Unterschriftenaktionen begonnen. Fast die gesamte Belegschaft hat unterschrieben. Anknüpfend daran kam die Aktion „Gesicht zeigen“, bei der Teams Protestfotos von sich schossen und diese veröffentlichten. Eine Steigerung war dies insofern, als man von der vereinzelten Unterschrift überging zu einer Kollektivaktion, in der man erstmals auch „Gesicht zeigen“, also öffentlich Position beziehen musste.

So war drittens Teil dieser Strategie, eine Kontinuität, eine Regelmäßigkeit herzustellen, und es verging kein Monat, in dem nicht eine Aktion am Uniklinikum stattfand oder Flugblätter im Haus verteilt wurden. Gleichzeitig musste man darauf achten, nicht zu ermüden mit zu häufigen, beliebigen Aktionen. Schließlich musste man den Druck auch stetig erhöhen.

Ein Höhepunkt war die Protestkundgebung im Juli vor dem Haupteingang unter dem Motto „Lautstark für das Hessenticket“. An ihr nahmen etwa 250 Kolleginnen und Kollegen teil, und es wurde ausführlich in der Presse berichtet, was umso mehr Druck erzeugte.

Ohne diese Aktionen wäre ein Freifahrtticket nicht möglich gewesen. Dennoch haben auch andere Faktoren den Erfolg begünstigt, wenn nicht gar erst ermöglicht.

Dies war unmittelbar der Erfolg der Ärztinnen und Ärzte, die das Ticket ab April bekamen.

Es war aber auch die ver.di Kampagne „Der Druck muss raus“ und die kontinuierliche gewerkschaftliche Aufbauarbeit in den Krankenhäusern. Sie haben ein gesellschaftliches Klima geschaffen, welches sich positiv auf unsere Auseinandersetzung ausgewirkt hat.

Die Probleme in den Krankenhäusern sind allseits bekannt. Es ist beinahe Konsens, dass dem Pflegenotstand dringend etwas entgegengesetzt werden muss. (Wer dies bezweifelt, schaue auf YouTube das Video von Klaas auf den Cannstatter Wasen.)

Wenn dies auch eine kleine, sehr spezifische Auseinandersetzung war, so sind daraus doch allgemeinere Schlussfolgerungen zu ziehen. Sie zeigt, dass es lohnenswert ist, kollektiv für seine Interessen zu kämpfen. Die ermutigende Wirkung solcher erfolgreichen Kämpfe sollte nicht unterschätzt werden. Gerade diese Erfahrungen, nämlich Gewerkschaft und aktive Belegschaft als durchsetzungsfähig zu erleben, sind essentiell, wenn es darum geht, Gewerkschaften (wieder) aufzubauen. Es braucht die konkrete Erfahrung, denn wir „lernen im Kampf“.

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